Vom Opferlamm zum eierbringenden Hasen
von Martina Jansen (Kommentare: 0)
Vom Opferlamm zum eierbringenden Hasen

An Ostern, dem höchsten Fest im christlichen Kalender, feiern Christen die Auferstehung Jesu und damit den Triumph des Lebens über den Tod.
Die Osterzeit beginnt mit dem Osterfeuer und dem Anzünden der Osterkerze in der Osternacht, die das Licht in die dunkle Zeit bringt. Dieses Licht ist nicht nur ein Zeichen des Glaubens, sondern auch ein Versprechen, dass in jedem Ende ein neuer Anfang wohnt.
Ostern ist ein bewegliches Fest, somit gibt es dafür auch keinen festen Termin im Kalender. Der Ostersonntag fällt jedes Jahr auf denersten Vollmond zwischen dem 21. März und dem 25. April. Nach diesem Termin richten sich auch alle anderen beweglichen Feiertage wie wie Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam.
Aber wie kam es dazu, dass im Laufe der Jahrhunderte Ostereier für diese Tage oftmals kunstvoll bemalt wurden und wieso versteckt gerade der Osterhase die Eier? Ich habe mich in der Familie und bei Freunden umgehört, ob sie die Antworten kennen.
Die 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Karfreitag erinnern an die Fastenzeit Jesus. Den Gläubigen war es daher verboten, Fleisch und Eier zu essen. Wohin aber mit den frischen Lebensmitteln? Da sie zu schade zum Wegwerfen waren, kochten die Christen die Eier, um sie haltbarer zu machen, und bemalten sie, um sie von frischen Eiern unterscheiden zu können. Traditionell verwendeten sie die Farbe Rot, um damit an das Blut Christi zu erinnern. Später wurden die Eier von der Kirche gesegnet und anschließend als Zeichen der Wiedergeburt verschenkt. Und so liegen auch heute noch am Ostersonntag nach der langen Entbehrung viele bunte Eier im Nest.
Das Ei, das von außen scheinbar leblos wirkt, birgt im Inneren jedoch neues Leben und steht damit als Sinnbild für das Grab, aus dem Jesus auferstanden ist. Es symbolisiert Hoffnung, Erneuerung und das stetige Kommen des Frühlings. Dass die bemalten Eier im Laufe der Zeit versteckt wurden, resultiert wohl aus den Osterspaziergängen, um die kleinen mitlaufenden Kinder zu beschäftigen und / oder sie schon früh an den christlichen Glauben heranzuführen. Aber vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass wir Gegenstände, die wir suchen oder finden, als wertvoller ansehen, als das, was uns einfach so in die Hände fällt.
Aber die Frage, warum der Osterhase die Eier versteckt, ist immer noch nicht geklärt. Möglicherweise wird sie auch nie ganz geklärt werden. Vielmehr lädt sie uns ein, die Geschichte immer wieder neu zu entdecken und uns an der Magie des Osterfestes zu erfreuen. Wählen Sie die Variante, die Ihr Herz am meisten berührt.
Das Opferlamm ist ein Friedenssymbol des Osterfestes und wird daher auch heutzutage noch oft gebacken. Mit ein wenig Fantasie wurde aus einem verunglückten Lamm ein Kaninchen, und im Laufe der Zeit verwandelte sich das Kaninchen dann schließlich in einen Hasen. Früh im Jahr feiern sie Hochzeit, bekommen daher auch im Frühling ihren ersten Nachwuchs und sind das Symbol für Fruchtbarkeit und Neubeginn. Dabei bekommen wir Menschen die scheuen Tiere nur selten zu Gesicht, was die Mär vom eierbringenden Osterhasen als geheimnisvolles und übernatürliches Wesen noch verstärkt. Gleichzeitig hat auch die Industrie den Nutzen dieses Brauchs erkannt. Der Osterhase wurde zum idealen Werbeträger und lässt die Kassen jedes Jahr klingeln.
Text: Martina Jansen
Foto: stock.adobe.com/ drubig-photo