Langeweile sieht anders aus
von Martina Jansen (Kommentare: 0)
Langeweile sieht anders aus

Beatles, ISS, Leonardo, Musik, Radio und noch viel mehr
Ein Radiomann mit Leib und Seele. Und nun ein PR-Mensch, mit dem Herz eines Journalisten. Auch mit Leib und Seele. Ja, das ist er … der Herr Bokelmann.
Diese Sätze auf seiner Webseite fassen Michaels beruflichen Werdegang kurz und prägnant zusammen. Seine Tätigkeiten sind so vielseitig und interessant, dass ich gar nicht weiß, wie und wo ich beginnen soll. Ob er textet, filmt, fotografiert, moderiert, Seminare hält, in der Öffentlichkeitsarbeit tätig ist oder Musik macht, die gemeinsamen Nenner sind immer Herzblut und Kreativität. So auch bei seinem seit 2022 laufendem Projekt „das Kunterbunte Dingsda KuBuDi“ der Evangelischen Kirchenkreise Gladbeck-Bottrop-Dorsten und Recklinghausen. Aber dazu später mehr.
1968 in Duisburg geboren, ist er von Kirchhellen über Schermbeck 2024 in Deuten gelandet. „Hier fühle ich mich mit meiner Familie gut aufgenommen und es scheint, als hätten wir unser Zuhause gefunden“, verrät mir der vielseitige Neu-Dorstener.
Foto oben rechts: Die Coverband Doris-D
Foto: Doris-D

Dass Michael ein absoluter Beatles-Fan ist, das wird bereits beim ersten Blick in seinem Büro sichtbar: Eine Goldene Schallplatte, ein Echtfotoabzug und ein Verstärker, wie ihn auch die Beatles gespielt haben, verraten das wandelnde Beatles-Lexikon, wie der 56-Jährige in Fachkreisen genannt wird. Und eine Verbindung zu den echten Beatles gab es tatsächlich. Als Beatles-Cover-Band trat er mit seinen Bandkollegen 1988 im Oberhausener Starclub als Vorgruppe der Rattles auf, die wiederum 1966 Vorgruppe der Beatles waren. „Mit der zeitgleichen Band ‚Some don’t‘ standen wir kurz vor dem Plattenvertrag, es hat dann aber leider doch nicht geklappt.“ Die Liebe zur Musik hält dennoch bis heute an und mit seiner aktuellen Band Doris-D tritt der Gitarrist, Bassist, Pianist und Sänger seit 16 Jahren auf. „Wir sind drei Männer, die deutsche Lieder covern und ordentlich verdrehen“, beschreibt er die Band.
Foto oben rechts: Doris-D
Foto: Doris-D

„Ich wollte ursprünglich Toningenieur werden, merkte dann jedoch schnell, dass ich lieber das Mikro in der Hand halten wollte, statt die Lautstärke zu regulieren. Ich schloss dennoch meine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker ab, bevor ich an der Uni in Essen Kommunikationswissenschaft, Germanistik und Kunstwissenschaft studierte. Mein Ziel stand nun fest: Ich wollte zum Radio!“
Und dort hin verschlug es den jungen Mann während seines Studiums auch. Er startete sein Praktikum bei RTL und SAT1, bevor er anschließend zwei Jahre bei Radio Emscher-Lippe als freier Autor tätig war. Und um seinen Tag vollends auszufüllen, war Michael noch parallel für die Öffentlichkeitsarbeit bei einem Elektroschrott-Recycler zuständig. Bis zum Ende seines Studiums sammelte er Erfahrungen bei 1Live, der Jugendwelle, wechselte zu WDR 2 und anschließend zu WDR 5. „Dort erlebte ich das Glanzlicht meiner Radiozeit: Ich konnte kurze und lange Hörstücke komplett eigenständig für die Sendung ‚Leonardo‘ produzieren. Heute heißt die Sendung ‚Quarks‘. Im Grunde war es sowas wie ‚Die Sendung mit der Maus für Erwachsene.‘“ Dabei interviewte der „Armin Maiwald für Erwachsene“ Prominente wie Rudi Assauer oder Arnold Schwarzenegger, aber Michaels Highlights waren und sind immer noch die Treffen mit Pete Best, dem ersten Schlagzeuger der Beatles, mit Astrid Kirchherr, die den Beatles ihren unverkennbaren Haarschnitt verpasste, sowie mit Trio-Entdecker Klaus Voormann „Zu dieser Zeit waren viele Fachbeiträge über die Beatles im Radio von mir. Zurückblickend war ich ein echter Nerd“, lacht Michael.
Foto oben rechts: Für ein gutes Foto gibt Michael Bokelmann alles
Foto: wort.laut

2000 beendete Michael die Uni, gründete 2008 seine Agentur wort:laut und beendete 2012 seine Karriere im Radio. „Nun konnte ich Öffentlichkeitsarbeit mit meiner Vorliebe zu texten bestens verbinden. Zudem habe ich kein Problem damit, auf die Bühne zu gehen, mir ein Mikro zu schnappen und zu singen, zu moderieren oder in der Uni Essen als Dozent aufzutreten. Außerdem erweiterte ich meine Fotografiekenntnisse und komme mittlerweile auf viele Millionen Fotos. Später folgte ein Seminar für Videojournalisten, dank dessen ich nun Filme in Fernsehqualität produziere.“
Damit sind Michaels Tage offenbar immer noch nicht restlos ausgefüllt, denn seit 20 Jahren reist er im Auftrag des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall und Elektroindustrie durch die Republik und führte bislanghunderte Interviews mit Ingenieurinnen und Ingenieuren, um mit ihren spannenden Geschichten auf think-ING auf den Facharbeitermangel aufmerksam zu machen. „Und da ich mich schon immer für das Weltall interessiert habe, bleibt mir natürlich ein Gespräch mit dem Astronauten Alexander Gerst in Erinnerung. Mehr noch, eine Ausgabe des Magazins, in dem mein Artikel mit meinen Fotos erschien, wurde in einer Zeitkapsel zur internationalen Raumstation ISS ins All geschickt, nach der Rückkehr eingemauert und wird erst in hundert Jahren wieder geöffnet.“
Foto oben rechts: Michael Bokelmann traf und interviewte Alexander Gerst
Foto: privat

Und jetzt komme ich auch endlich zu Michaels, anfangs von mir angekündigtem, aktuellen Projekt „KuBuDi“. Ähnlich wie in der berühmten „Sendung mit der Maus“ vom WDR stellt der wissbegierige, außerirdische Praktikant Logodor Fragen zur evangelischen Kirche und bekommt sie auch kindgerecht beantwortet. Und eine Verbindung zur Maus besteht tatsächlich. Im Logodorkostüm steckt genau die Ganzkörperpuppenspielerin, die mitunter auch im echten Mauskostüm steckt. Die einzelnen Sendungen kamen so gut an, dass das „Kunterbunte Dingsda“ den bundesweiten „Andere Zeiten-Preis“ erhielt.
Bei all seinen interessanten Tätigkeiten bleiben Michael und seiner Frau Nicole immer noch Zeit, sich im Vorstand des Oberhausener Vereins „Sternenzelt“ für die Trauerbegleitung Kinder und Jugendlicher zu engagieren. Und wenn dann immer noch ein paar Stunden Freizeit übrigbleiben, dann interessiert sich der sympathische Deutener aktuell für die Anwendung und für die Möglichkeiten der KI. „Ich versuche stets, etwas Neues zu erlernen. Stillstand gibt es bei mir nicht.“
Foto oben rechts: Michaels Projekt "KuBuDi"
Foto: wort:laut