David Balbina und die Argies

von Martina Jansen (Kommentare: 0)

David Balbina und die Argies

Seit 40 Jahren sind sie auf den Bühnen der Welt zu Hause

In der (Punk-)Rock-Szene wird David Balbina gefeiert, in der Feldmark lebt der Argentinier dagegen mit seiner Familie relativ unerkannt abseits des Rampenlichtes. Vielleicht liegt es daran, dass er in Dorsten noch kein Konzert gegeben hat. Das wäre auch nicht so einfach zu organisieren, denn die drei weiteren Bandmitglieder wohnen in Argentinien sowie in Deutschland und Spanien, was einen Auftritt bei uns zu einer echten Herausforderung machen würde.
Erst drei Tage vor Tourbeginn treffen sich die Musiker in einem Essener Studio und intensivieren ihr Zusammenspiel. Jeder für sich hat natürlich in seinem Heimatland geprobt, aber sie haben halt nicht gemeinsam gespielt. Nach dieser kurzen, intensiven Probephase startet die jeweils zweimonatige Tour. „Wir stehen weltweit auf den Bühnen, aber ich mag besonders Asien und die dortige Kultur“, verrät mir David.

Foto oben rechts: David Balbina (2. v. l.) mit seinen Argies
Foto: Iris Balbina

Dass David vor zehn Jahren nach Deutschland zog, liegt an seiner Frau Iris. Die beiden haben sich auf einem Konzert in Düsseldorf kennengelernt und lange freundschaftlichen Kontakt gehalten – bis es irgendwann zwischen ihnen funkte und sie sich ineinander verliebten. David zog zu Iris nach Essen und Jahre später nach Dorsten. „Unsere Tochter sollte ländlicher aufwachsen“, erzählt mir Iris. „Anfangs reiste ich mit David noch mit und es hat mir auch einen Riesenspaß bereitet, aber die langen Reisen möchten wir unserer Tochter nicht zumuten.“

Foto oben rechts: David Balbina privat
Foto: Christian Sklenak

Aber zurück zu David: Seine Musikkarriere begann vor 40 Jahren in Argentinien, genauer gesagt in Rosario, mit Punkrock. Messi stammt auch aus seiner Heimatstadt und das Geburtshaus Che Guevaras lag nur 200 Meter von seinem Zuhause entfernt. Die Auftritte nur als Hobby zu betreiben, das war dem gelernten Mediendesigner zu wenig, er wollte sich voll und ganz der Musik widmen. Seine Eltern gaben grünes Licht, er verkaufte seine Firma und gründete die „Argies“. Die Mitglieder wechselten im Laufe der Zeit, David als Kopf der Band blieb. „Wir waren die erste Punk-Rock-Band in der Stadt, in ganz Argentinien gab es etwa 15 Gruppen, die diese Musik spielten. Meine Landsleute waren in den ersten fünf bis zehn Jahren noch nicht offen für diese Art von Musik“, erklärt mir der aufgeschlossene, freundliche Musiker. „Ich zog nach Buenos Aires und traf irgendwann Campino von den Toten Hosen. Er hat ein großes Herz und mich verbindet mit ihm und seiner Band bereits seit 30 Jahren eine echte Freundschaft. Wir waren daher auch mehrmals Vorgruppe seiner Band“, erzählt David weiter.

Foto oben rechts: Mit Campino und den Toten Hosen stand David Balbina mehrfach auf der Bühne
Foto: Vans de Large

Angefangen mit Punkrock änderte sich der Stil der Band etwas, heute spielen die „Argies“ internationalen Rock, Latino sowie Reggae und begeistern ihr Publikum mit Songs auf Spanisch, Italienisch, Englisch und auch Deutsch.
Ihre erste große Tour führte sie durch Südamerika. „Wir mussten damals die Auftritte noch per handgeschriebenem Brief buchen“, lacht der Gitarrist und Sänger. „Das geht heute übers Internet natürlich viel einfacher und auch schneller. Dennoch ist es zeitraubend, denn wir haben keinen Manager. Auch das Angebot eines großen Labels lehnten wir ab, denn wir wollten frei sein und selbst bestimmen, wo wir auftreten.“ Dass es mittlerweile in fast 50 Ländern der Fall ist, darauf kann der 58-Jährige zu Recht stolz sein.

Foto oben rechts: David Balbina steht für den Gesang und spielt die Gitarre
Foto: Tobias Sibrai

David plant nicht nur die Tourneen und bucht die Auftritte, in den zehn konzertfreien Monaten schreibt er die Songs und arbeitet am Mischpult – bis es ihn wieder auf die Bühne zieht. Bis dahin zehrt er von den vielen Eindrücken, die er auf seinen Reisen gesammelt hat. Er erinnert sich lebhaft an die Tour im Jahre 1999, als er in Ecuador, Bolivien, Peru und Kolumbien diese westlich geprägte Musik spielte. „Das war schon ein enormer Kulturschock, aber dennoch auch eine schöne Zeit.“ Anders erlebte David dagegen seine Auftritte in Polen im Jahr 2001. „Die Zeit schien dort eingefroren zu sein. Auch unsere Auftritte in China waren für mich ungewohnt und sehr emotional, vor allem, wenn ich daran denke, dass wir 2013 in Wuhan spielten, an dem Ort, an dem Ende 2019 das Coronavirus entdeckt wurde.“
Zum Schluss unseres Gespräches kommt David noch einmal auf die Auftritte in Asien zu sprechen. „Dort hören viele Deutsche unsere Musik, aber auch speziell in Indonesien ist die Rock-Szene seit 2011 stark vertreten, aber dass wir in Indonesien sage und schreibe vor 3.000 Besucher spielten, damit hatten wir dann doch nicht gerechnet. Das hat uns extrem überrascht und natürlich auch gefreut.“

Ende April geht es für die „Argies“ wieder auf Tour. In diesem Jahr bleiben sie in Europa, in Deutschland, in Tschechien, der Schweiz und Österreich. David sagt nie nein zu Benefizkonzerten zugunsten kranker oder sozial benachteiligter Kinder, wenn es zeitlich passt.

Foto oben rechts: Die Argies mit ihren asiatischen Fans
Foto: Tobias Rehm

Text: Martina Jansen

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