Hilf mir, es selbst zu tun

von Martina Jansen (Kommentare: 0)

Hilf mir, es selbst zu tun

Die Montessori-Schulen in Wulfen stellen sich vor

Beim Betreten des gemeinsamen Schulhofes der beiden Montessori-Schulen in Wulfen bemerke ich, wie ruhig die Grundschulkinder in der Pause miteinander spielen. „Das liegt daran, dass sie keinen Dampf ablassen müssen“, erklärt mir Sandra Grimm-Jandewerth, Rektorin der Maria-Montessori Grundschule.

„Da unsere Schüler während des Unterrichtes nicht ruhig sitzen müssen, haben sie in den Pausen keinen Nachholbedarf an Bewegung“, fährt Sandra Grimm-Jandewerth fort. „Sowohl die Schüler der Grundschule als auch die der Reformschule, wie die Realschule hier genannt wird, können frei wählen, wo sie lernen möchten, welche Sitzposition sie dabei einnehmen und vor allem, was sie wann lernen möchten.“
Die Maria-Montessori-Schulen sind private Ersatzschulen, eine Alternative und Ergänzung zu den bestehenden Regelschulen in Dorsten. Sämtliche Schulabschlüsse, die hier in der Reformschule erreicht werden können, sind staatlich anerkannt, der Lehrplan stimmt mit staatlichen oder konfessionellen Schulen überein. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.

Der größte sichtbare Unterschied fällt auf den Schulfluren auf. Es herrscht eine ruhige Lernatmosphäre, die Klassenzimmertüren stehen alle offen. Die Lehrerinnen und Lehrer, die sich hier Lernbegleiter nennen, unterrichten nicht alle Schüler zeitgleich mit demselben Lernstoff, sondern bieten Hilfestellung beim Selbstlernen an. „Unsere Schüler arbeiten dabei mit Sinnesmaterialien, die die 1870 in Italien geborene Maria Montessori speziell für ihre Idee entwickelt hat“, so die Rektorin. „Bis auf die Fächer Mathematik oder Englisch, bei denen die zeitlichen Abläufe der Lerninhalte nicht getauscht werden können, wählen unsere Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lernbegleitern sowohl ihr Lerntempo als auch die Reihenfolge der Themen selbst aus. Unabhängig davon, wie weit die Mitschüler sind und ganz ohne Leistungsdruck. Ob sie dabei alleine oder in Gruppen lernen möchten, um die vorgegebenen Lernziele des Landes NRW zu erreichen, das bleibt ihnen überlassen“, erzählt Sandra Grimm-Jandewerth weiter.

„Es gibt auch keinen starren Klassenverband, so lernen die Schüler des ersten bis vierten Jahrgangs zusammen, in der weiterführenden Reformschule sind immer zwei Jahrgänge zusammengefasst“, ergänzt Eva Esser, die Geschäftsführerin der Reformschule. „Wir holen die Schüler dort ab, wo sie sich befinden und nehmen jeden mit. ,Hilf mir, es selbst zu tun', ist der Grundgedanke unserer pädagogischen Arbeit. Unsere Schülerinnen und Schüler konsumieren den Unterrichtsstoff nicht, sie erarbeiten ihn sich selbst, lernen ohne Stress und haben Spaß an der Wissensvermittlung. Daher haben wir auch kaum Schulverweigerer“, fährt sie fort. „Unsere Schülerinnen und Schüler besitzen zudem eine hohe Sozialverantwortung und Selbstständigkeit, wie uns von Lehrern nach einem Wechsel auf weiterführende Schulen bestätigt wird.“
Von der Hand in den Kopf, von der äußeren Ordnung zur inneren Ordnung: Die Klassenräume sind so gestaltet, dass sie übersichtlich und aufgeräumt sind. Die Schülerinnen und Schüler gelangen alleine an sämtliche Lernmaterialien, ohne dabei ihre Klassenkameraden zu stören.
Festgelegte Zeiten, in denen Hausaufgaben erledigt werden müssen, gibt es in der Montessori-Pädagogik nicht. Auch Zensuren werden erst ab der neunten Klasse vergeben. „Dennoch sind die Eltern jederzeit über den Wissensstand ihrer Kinder informiert“, betont Eva Esser.

Die Montessori-Grund- sowie die Reformschule sind zwei unabhängige Schulen auf dem Gelände und den Räumen der alten Matthäusschule in Wulfen. Die Grundschule wurde 2006 durch eine Elterninitiative ins Leben gerufen und ging ein Jahr später an den Schulstart. Drei Jahre später folgte die Realschule, sodass neben Maria Montessoris 150. Geburtstag in diesem Jahr auch das 10-jährige Jubiläum der Reformschule mit allen interessierten Eltern und Schülern in Wulfen gefeiert wird.
www.montessori-dorsten.de

Info
Ein Jahr lang finden monatlich Jubiläumsveranstaltungen statt. Den Anfang machte der Januar mit einem Klassendinner der Abschlussklasse, gefolgt vom täglichen Kampf mit Buchstaben und Zahlen im Februar. Die Veranstaltung im März steht unter dem Motto: „Materialabend“. Hierbei stellen die Lernbegleiter der Grundschule die verschiedenen Montessori-Materialien vor, die sie verwenden.

Text:: Martina Janen
Fotos: privat

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