Tobias Stockhoff, amtierender Bürgermeister

von Martina Jansen

Tobias Stockhoff, amtierender Bürgermeister

Tobias Stockhoff hat sich die Tüshaus Mühle als Treffpunkt gewünscht.
Da er in Deuten die Grundschule besuchte, passt das Ambiente sehr gut. Könnten die alten Gemäuer reden, würden sie gewiss auch eine Menge zu erzählen haben – so wie mein heutiger Gesprächspartner. Davon bin ich jedenfalls überzeugt.

„Hallo, Frau Jansen“, begrüßt mich unser Stadtoberhaupt. „Hallo, Herr Stockhoff“, grüße ich zurück – und trete prompt in das erste Fettnäpfchen. Die korrekte Anrede hätte „Guten Tag, Herr Bürgermeister“ lauten müssen, aber der „Herr Bürgermeister“ winkt ab, als ich es bemerke. „Wir bleiben beim zwanglosen ‚Herr Stockhoff‘“, bietet er mir an und das meint er wohl auch so. Respekt und Anerkennung hängen nun mal nicht von der Anrede ab.

Wir machen einen kleinen Rundgang durch die alte Mühle und der junge Politiker erweist sich hierbei als guter Fremdenführer. Er kennt sich mit der Geschichte der Mühle ebenso aus wie mit den Wappen der einzelnen Stadtteile, wie ich etwas später feststelle.

Ich bedanke mich für die Führung und komme zum eigentlichen Zweck unseres Treffens: Einem Gespräch zur Halbzeit seiner Amtsperiode. Und da lauert auch schon das zweite Fettnäpfchen, in das ich wieder voll rein trete. Die erste Hälfte seiner Amtszeit wäre erst im Frühjahr 2017 um. Tobias Stockhoff ist nicht nur Dorstens jüngster Bürgermeister, er ist auch derjenige mit der längsten ersten Amtszeit. Ein Jahr wurde ihm „geschenkt“. Nein, nicht weil er noch so jung ist und ihm die Erfahrung fehlen würde. Das, was auf ihn zukommen würde, das wusste er genau. War er doch lange genug im Geschäft als Vorsitzender des CDU-Stadtverbands und oft genug mit Alt-Bürgermeister Lambert Lütkenhorst unterwegs, um erahnen zu können, wie hart der Alltag eines Bürgermeisters sein würde. Der Grund der längeren Amtszeit ist der, dass sein Vorgänger 2014 auf eine weitere Kandidatur verzichtete und Dorsten damit die Bürgermeisterwahl vorziehen konnte. Das ersparte der Stadt die Kosten zweier Wahlen, da die Bürgermeisterwahl damit gleichzeitig mit den Kommunalwahlen durchgeführt wurde.

Aber zurück zur Gegenwart: Der Diplom-Physiker erweist sich als angenehmer Gesprächspartner, weit weg vom Image eines trockenen Wissenschaftlers, das vielen Physikern anhaftet. So ganz ohne Amtskette ist er „einer von uns“, locker und absolut angenehm im Umgang. Von daher läuft die Unterhaltung mit ihm ungezwungen und flüssig. Tobias Stockhoff ist sehr aufgeschlossen. Viele der Fragen, die ich stellen wollte, beantworten sich während des Gespräches somit von alleine.

Fünf Jahre Labortätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Materialphysik in Münster mit anschließender zweijähriger Selbstständigkeit reichten dem jungen Physiker, der doch lieber mit Menschen zusammen sein und etwas bewegen wollte. Und so stellte sich der Wunschkandidat der Dorstener CDU der Bürgermeisterwahl, die er am 15.06.2014 bei der Stichwahl mit über 60 Prozent gewann. 

Sicher ist das Gehalt eines Bürgermeisters deutlich höher als das eines Büroangestellten, aber das war nicht Tobias Stockhoffs Beweggrund, sich zur Wahl zu stellen. „Das Bürgermeisteramt ist kein Acht-Stunden-Job, da muss man schon mit ganzem Herzen dahinter stehen. Es kommt vor, dass ich an einem Wochenende bis zu 20 Termine wahrnehmen muss und ich versuche natürlich, allen gerecht zu werden. Da ich vielseitig interessiert bin hinsichtlich Politik, Technik, Geografie und Kultur machen mir die meisten Termine wirklich Spaß und ich freue mich auch darauf. Kein Tag ist wie der andere und es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren. Aber genau das macht das Leben ja erst spannend.“

Auch wenn er sich bemüht die Termine gerecht aufzuteilen, so kann sich auch ein Bürgermeister nicht zerteilen und jeden Termin wahrnehmen. In diesem Fall springen dann seine Stellvertreter Christel Briefs und Jan Kolloczek ein. „Mir ist es wichtig“, stellt der 35-Jährige klar, „dass ich zwar auch als Person, aber vor allem als Repräsentant der Stadt das Ereignis würdige. Und kann ich einen Termin nicht wahrnehmen, dann vertritt mich beispielsweise Frau Briefs absolut ebenbürtig.“ 

Foto oben rechts: "Das Bürgermeisteramt ist kein Acht-Stunden-Job", so Bürgermeister Tobias Stockhoff

Eine Stadt zu führen kommt dem Management einer mittleren Firma gleich. So versucht er, seinen gut 1000 Mitarbeitern ein gerechter Chef zu sein. „Ich weiß, dass ich mich auf alle meine Mitarbeiter verlassen kann und genauso stehe ich auch hundertprozentig hinter ihnen“, ist Tobias Stockhoffs Einstellung. „Unter vier Augen kann jeder Mitarbeiter gerne mit mir reden, nach außen hin erwarte ich von ihnen allerdings absolute Solidarität und Geschlossenheit.“

Und er fährt fort: „Auch für die Dorstener Bürger setze ich mich natürlich ein und helfe gerne. Jeder soll sich in unserer Stadt wohl fühlen, aber das „Wir-Gefühl“ kann jeder Einzelne auch dadurch stärken, dass er selbst aktiv wird. Jeder kann sich irgendwie einbringen.“
Warum also gleich nach einem Verantwortlichen von der Stadt rufen, wenn man Kleinigkeiten auch selbst beheben kann. Sei es, einen Spielplatz von Scherben zu befreien oder auch mal neu gepflanzte städtische Bäume im Hochsommer zu wässern.

„Im Allgemeinen ist jedoch das Ehrenamt in unserer Stadt sehr ausgeprägt“, lobt Tobias Stockhoff die zahlreichen Dorstener, die sich (sozial) engagieren „und darüber sind wir auch sehr erfreut. Allein, wenn ich daran denke, wie Schützenvereine Mitarbeiter des Gebäudemanagements beim Vorbereiten von Flüchtlingsunterkünften unterstützten oder die Freiwillige Feuerwehr ständig wegen des Hochwassers im Einsatz war, dann macht mich das schon stolz.“

Durch seine regelmäßig stattfinden „Bürgermeister-vor-Ort-Sprechstunden“ möchte er Nähe schaffen und Barrieren abbauen. „Es gibt für uns kein „Wir da oben und ihr da unten – wir sind alle Bürger Dorstens“, betont der hochgewachsene Alt-Wulfener, der aber auch mit Leib und Seele Dorstener ist.

Auch auf Schützenfesten ist er ein gern gesehener Gast und hält dort zusätzliche inoffizielle Bürgersprechstunden ab. Beim Bier – bei ihm ist es alkoholfrei – spricht es sich oft leichter als auf dem offiziellen Weg.
Einzig auf „seinem“ Schützenfest in Wulfen ist er nicht „der Bürgermeister“, hier ist er schlicht Tobias.

Foto oben rechts: Für unser gemeinsames Gespräch lud uns Bürgermeister Tobias Stockhoff in die Tüshaus Mühle in Deuten ein.

Text: Martina Jansen
Fotos: Christian Sklenak

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