Heute treffe ich Thomas Hein, Firmeninhaber, Langstreckenläufer und engagierter, ehrenamtlich tätiger Bürger Dorstens

von Martina Jansen (Kommentare: 0)

Heute treffe ich Thomas Hein, Firmeninhaber, Langstreckenläufer und engagierter, ehrenamtlich tätiger Bürger Dorstens

Ich habe es nicht ausprobiert, aber hätte ich Passanten auf dem Dorstener Marktplatz gefragt, was ihnen zu „Thomas Hein“ einfällt, dann wären sicherlich die Begriffe „Bierbörse“ „Eislaufbahn“ und „Altstadtfest“ gefallen.

Womit sie auch recht haben, denn fast alle jährlich stattfindenden großen Stadtfeste entstammen der Planung von Thomas Hein und seinem Team. Sicher denken jetzt einige Leser: „Hat er ja auch schließlich gelernt“. Falsch! Hat er nicht! Was mich, wie Sie jetzt vielleicht auch, völlig überraschte, war erstens die Tatsache, dass Thomas Hein ein Theologiestudium begonnen hatte und zweitens, dass er nicht schon sein ganzen Leben lang Sport betrieben hat. Aber eins nach dem anderen:

Der stets gutgelaunte Eventmanager bestand sein Abitur als einziger evangelischer Schüler an einer katholischen Priesterschule in Rheinbach nahe Bonn. Er studierte anschließend Theologie, ihm kamen jedoch Zweifel an seinem Berufswunsch, als er Spenden nach Polen transportierte. Der Unterschied zwischen der armen Bevölkerung und dem reichen „Popen“ ging ihm nicht mehr aus dem Kopf und da er sich mit den Grundsätzen der Kirche nicht mehr anfreunden konnte, schmiss er das Studium. Seelsorger blieb er dennoch, wenn auch ein wenig anders. Er gründete ein Taxiunternehmen und hörte sich nun die Sorgen seiner Fahrgäste an. Zeitgleich jobbte er gelegentlich bei SAT.1 als Aufnahmeleiter. Aber als er mit 30 Jahren Vater wurde, wollte er etwas Solides. Er wollte sein Geld regelmäßiger verdienen und arbeitete zunächst bei Hans Delsing als Speditionsleiter.

Foto oben rechts: Thomas Hein
Foto: Moritz Brilo

Aber Thomas Hein wollte sein eigener Herr sein und gründete schließlich eine Eventagentur, die heute unter dem Namen „interevent“ bekannt ist. Er hielt sich mit mehr oder weniger kleinen Veranstaltungen über Wasser, der Durchbruch gelang ihm jedoch erst mit der mobilen Eisbahn. In Bierlaune – obwohl Thomas Hein versichert, dass er und Alfred Sartory vollkommen nüchtern waren – beschlossen sie, nach amerikanischem Vorbild eine mobile Eisbahn in Dorsten zu installieren. Ein wenig weit aus dem Fenster gelehnt haben sie sich dabei schon, aber irgendwie kam der Eventmanager aus dieser Nummer nicht mehr raus. Das Ergebnis kann sich seit 21 Jahren mehr als sehen lassen. Was wäre die Winterzeit in Dorsten ohne „Dreams on Ice“ auf dem Marktplatz? Ohne die Eisstockmasters? Ohne Glühwein unterm Sternenzelt?

Foto oben rechts: Die erste Eisbahn der Firmengeschichte

Thomas Heins Handschrift tragen unter anderem auch die Bierbörse, das Altstadtfest und der Stadtstrand, der leider wenig besucht wurde, da es im letzten Jahr pausenlos regnete.

„Der Mann hat ja sowieso Sonderrechte, er ist ja schließlich mit Heike Hein vom Ordnungsamt verheiratet.“ Diesen Satz hören die beiden hin und wieder, wenn auch hinter vorgehaltener Hand. „Aber glaube mir“, klärt er mich auf, „ich stehe nirgendwo so unter Kontrolle wie in Dorsten. Es ist nicht unbedingt von Vorteil, mit jemandem verheiratet zu sein, der ‚auf der anderen Seite‘ steht und zum Beispiel die Interessen der Markthändler vertritt“. Er schmunzelt dabei, meint es aber dennoch ernst.

Foto oben rechts: Die Dorstener Bierbörse

Ich schrieb anfangs, dass ich mich wunderte, dass Thomas Hein erst vor einigen Jahren mit dem Lang- bzw. Kurzstreckenlauf anfing. Tatsächlich entschied er sich erst kurz vor seinem fünfzigsten Geburtstag dafür, sich beim Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg anzumelden. Völlig untrainiert und unvorbereitet – aber wer wagt, der gewinnt. Der bis dahin „motivierte Nichtsportler“, wie Thomas Hein sich selbst bezeichnet, schaffte es nach dem Halbmarathon zwar nicht mehr, die zwei Stufen hoch zu steigen, um sich seine verdiente Urkunde abzuholen, aber das war unwichtig. Thomas Hein, der 49 Jahre lang keinen Sport betrieben hat, kam ins Ziel – nur das zählte! Aufgrund eines Herzinfarktes darf er jedoch nur noch einen Marathon im Jahr laufen, bei den Halbmarathons ist er aber immer wieder an der Startlinie. „Der Sport hat damals mein Leben gerettet“, sind sich der Läufer und seine Ärzte sicher. Beim Laufen seit mehr als sechs Jahren immer treu an seiner Seite ist Buddy, ein schwarzer Hütehund. 

Aber Thomas Hein ist nicht nur Firmeninhaber und Langstreckenläufer, er ist auch ein engagierter, ehrenamtlich tätiger Bürger Dorstens. Ob er im Vorstand der DIA tätig ist, gemeinsam mit seiner Frau 50 Personen für Oliver Sprungmann und sein Team beim 24-Stunden Rennen bekocht, die „pilgernde Robbe“ Robert bei seinen Aktionen zugunsten der ALS-Forschung unterstützt oder unentwegt für den guten Zweck Runde um Runde beim Rekener 24-Stunden-Lauf unterwegs ist – Thomas Hein ist mit Herzblut dabei und das spürt man auch.

Im September wird Thomas Hein 59 Jahre alt und da er noch nicht ans Aufhören denkt, wird er Dorsten sicherlich noch mit dem einen oder anderen Event überraschen. Wenn ihm auch sonst fast alles gelingt, so gibt es doch einen kleinen Wermutstropfen: Der direkte Draht nach oben ist trotz Theologiestudiums leider ein wenig gestört, denn – und das hat beim Altstadtfest schon Tradition – es regnet dort grundsätzlich an mindestens einem Tag des Festes. Aber auch das bekommt Thomas Hein sicher noch hin …

In diesem Sinne können Sie, lieber Leser, liebe Leserin, beim nächsten Altstadtfest vom 31. Mai bis 3. Juni 2018 den Schirm sicherlich zu Hause lassen. 

Foto oben rechts: Die "Schlagerschlampen" beim Altstadtfest 2017

Text: Martina Jansen
Fotos: Christian Sklenak, privat

Zurück