Familientreffen XXL

von Martina Jansen (Kommentare: 0)

Familientreffen XXL

Auf den Ländereien der Vorfahren entstand Barkenberg

Gohmann, Hinsken, Humbert, Jakschik, Micheel, Schaefer, Schürmann oder Schunke – welcher Wulfener oder Lembecker kennt diese Namen nicht? Verbunden sind sie alle durch ihre gemeinsamen Vorfahren, und wenn „Schriftführer“ Max Schürmann zum „Schürmann-Sippentreffen“ einlädt, dann wird sich auch wieder gerne daran erinnert.

Wie sieht ein Cousin- und Cousinentreffen „mit Anhang“ in der Regel aus? Und wie viele Personen sind dabei im Durchschnitt anwesend? Zehn? Zwölf? Zwanzig? Darüber können die „Schürmänner“ aus Wulfen nur schmunzeln, denn bei ihren Treffen kommen schnell an die 100 Familienmitglieder zusammen.
„Ich bin jedes Mal begeistert, wenn wieder fast alle dieser Einladung folgen“, freut sich Max Schürmann.

Bei einer so großen Veranstaltung ist es mit einem Kühlschrank zum Kaltstellen der Getränke und den Reservestühlen aus dem Keller nicht mehr getan. Hinter dem alle zwei Jahre stattfindenden Treffen steckt schon viel Logistik. So muss zum Beispiel ein Kühlwagen her, um die Mengen an Salaten und Getränken im Sommer zu fassen – und auch unter anderem eine Hüpfburg, damit die Kleinen beschäftigt sind und die Großen sich in Ruhe unterhalten können. Was ebenfalls auf keinem Treffen fehlen darf, ist das Wulfener Wolfsblut, der Kräuterschnaps des hiesigen Heimatvereins.

Die Vorbereitung und die Organisation des Zusammentreffens übernehmen Werner Grohmann, Bernhard, Heinrich und Hermann-Josef Schürmann, Agnes Jakschik sowie Hannes und Max Schürmann. Die Idee dazu entstand auf einer Beerdigung, dem Anlass, bei dem gewöhnlich die ganze Verwandtschaft zusammenkommt. Also wurden dort Adressen ausgetauscht und alle zum ersten Familientreffen im Jahre 2008 eingeladen. Als Treffpunkt wurde der Hof Schürmann an der Buchenhöfe 117 ausgewählt. Das Stammhaus der Großeltern FranzHeinrich Schürmann und seiner Frau Josephine Elisabeth Brosthaus an der Dülmener Straße in Wulfen bot nicht die günstigen Bedingungen für solch große Treffen. Die drei unverheirateten Söhne des Hofes stellen selbstverständlich gerne ihren alten Bauernhof für die Treffen zur Verfügung. Das Stammhaus wurde vor wenigen Jahren verkauft und ist noch heute sichtbar durch den Schriftzug „Hotel Schürmann“, der in den 60er Jahren entstand.

Die Ahnenforschung für den Familienclan betreibt der sympathische Wulfener, der sich bereits 2001 und 2004 anlässlich zwei runder Geburtstage in der Familie um die Vorfahren seiner Familie kümmerte. „Für beide Jubilare erstellte ich jeweils eine Zeitung mit Bildern und Texten über ihr Leben und fügte auch Daten zu ihren Vorfahren und Kinder und Enkelkinder ein“, so der Familienchronist.
Einmal angefangen sammelte er alles, was er über seine Eltern, Groß- und Urgroßeltern und die seiner Cousinen und Cousins finden konnte. Ausgehend von den Großeltern Franz Heinrich und JosephineSchürmann erstellte Max Schürmann schließlich nach und nach einen Stammbaum der Familie, der mittlerweile über 500 Familienmitglieder beinhaltet.

Foto oben rechts: Platz gibt es auf dem Hof mehr als genug für alle Familienmitglieder

Franz Heinrich Schürmann, der bereits bei der Taufe seiner späteren Ehefrau im Jahre 1889 - so ist es zumindest überliefert - wusste, dass er seine 20 Jahre jüngere Josephine einmal heiraten wird, zeugte von 1913 bis 1930 elf Kinder mit ihr, wobei ein Sohn im Alter von einem halben Jahr starb. Aloys blieb mit 20 Jahren im zweiten Weltkrieg verschollen. Kinderlos blieb nur eine Ehe, die anderen Söhne und Töchter bekamen 36 Kinder, die das „Schürmann-Gen“ weiter verbreiteten. Die drei Mädchen Adele, Elisabeth und Agnes heirateten in die Wulfener und Lembecker Familien Gohmann, Hinsken und Humbert ein.

Dazu beigetragen, dass die Chronik von Mal zu Mal wächst und immer weiter in die Vergangenheit geht, haben alle Gäste des Familientreffens. Auf einer zehn Meter langen Leinwand wurden die Daten während eines Treffens vervollständigt, sodass das gedruckte Buch des Stammbaums der Familie Schürmann mittlerweile mehr als 100 Seiten stark ist. „Im Nationalsozialismus mussten Ahnentafeln geführt werden, daher war es in diesem Zeitraum noch relativ einfach, an Daten zu kommen“, weiß Max Schürmann, der mittlerweile mehr als 100 Stunden mit der Datenbankpflege verbracht hat.

Beim ersten Verwandtschaftstreffen trugen die Anwesenden noch Namenschilder, mittlerweile kennen sich alle Älteren untereinander. Es kommen aber auch immer wieder gerne die Kinder und Kindeskinder mit, sodass man sich wieder neu kennenlernt. Gelegentlich fällt dann auch schon mal erstaunt oder verwundert der Satz: „Wie, wir sind auch verwandt!?“ 

„Wir wollen uns an früher erinnern, da die Entwicklung der Stadt Barkenberg auch zu entscheidenden Änderungen im Leben der Familie Schürmann beigetragen hat“, erzählt Werner Gohmann, mit 71 Jahren der Älteste der 36 noch lebenden Cousinen und Cousins. „Und daher zeigen wir auf den Treffen auch DVDs von der Entstehung Barkenbergs oder Wulfen.“

Ende der 50er Jahre, als Barkenberg nur auf dem Papier existierte, wurden die Ländereien nach einem feuchtfröhlichen Frühschoppen in der hauseigenen Kneipe im Haus Nummer Zwei der Bauernschaft Dimke im damaligen Stammhaus der Familie Schürmann verkauft. Noch heute ist das Fachwerk des Hauses an der Dülmener Straße zu sehen. Aber nicht nur das, die Städteplaner hatten später ihre Büros auf dem Grundstück.

„Als Kinder haben wir noch auf den Äckern vor Barkenberg Kartoffeln geerntet oder es wurden Treibjagden veranstaltet“, erinnert sich Werner Gohmann. „Dann wurden nach und nach Wege geschaffen und Häuser gebaut und das ganze Umfeld änderte sich komplett.“ Die Cousins erzählen wehmütig, dass heute nur noch das alte Fachwerkhaus an frühere Zeiten erinnert.

Das nächste Familientreffen XXL ist für August 2018 geplant – mal sehen, ob die „100er-Marke“ dann wieder einmal geknackt wird.

Foto oben rechts: Franz Heinrich Schürmann und seine Frau Josephine Elisabeth, geborene Brosthaus mit ihren zehn Kindern im Jahre 1935

Max Schürmann konnte bisher die Daten bis zu seinen Urgroßeltern Franz-Josef Schürmann (1837-1910) und Adelheid Hülstädt (1843 – 1920) nachverfolgen. „Möglicherweise haben andere Familien in Dorsten ebenfalls Ahnenforschung betrieben und einen „Schürmann-Zweig“ im Stammbaum entdeckt. „Ich würde mich in diesem Fall über einen Kontakt unter maxschuermann@freenet.de freuen“, so Max Schürmann. „Allerdings wissen wir bis jetzt schon, dass der Tierarzt Schürmann sowie der Postbeamte Schürmann nicht mit uns verwandt sind“, ergänzt er.

Text: Martina Jansen
Fotos: Guido Bludau, privat

Zurück