Abwasserreinigung und Hochwasserschutz gehören mit zur Daseinsvorsorge

von Martina Jansen (Kommentare: 0)

Abwasserreinigung und Hochwasserschutz gehören mit zur Daseinsvorsorge

23. Juni – „Tag der Daseinsvorsorge“

Kreis Wesel/ Kreis Recklinghausen/ Kreis Coesfeld. Am 23. Juni ist „Tag der Daseinsvorsorge“. Dazu gehört auch die Gewissheit, dass nicht morgen die Straße unter Wasser steht. Und saubere Gewässer sind ebenfalls ein zentraler Bestandteil einer gesunden und lebens-werten Umwelt.

Den „Tag der Daseinsvorsorge“ hatte der Verband kommunaler Unternehmen im vergangen Jahr ins Leben gerufen, um Bürgerinnen und Bürger für die Leistungen öffentlicher Institutionen zu sensibilisieren, die oft als selbstverständlich betrachtet werden, aber für unseren Alltag, für Wohnen, Arbeitswelt, Verkehr und Freizeit unverzichtbar sind.

Grundlage der Demokratie

„Öffentliche Infrastrukturen sind die Grundlage unserer sozialen Demokratie, ohne sie wäre Deutschland nur halb so erfolgreich. Es braucht gerade öffentlich-rechtliche Infrastrukturen, damit Qualität, Mitbestimmung und Teilhabe Hand in Hand gehen. Was eine sehr gute Infrastruktur ausmacht, sind nachhaltige Investitionen im Sinne des Gemeinwohls – ohne Profitgier! Dafür stehen wir als Lippeverband“, sagt Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender des Wasserwirtschaftsunternehmens, das in enger Partnerschaft mit den Mitgliedskommunen agiert.

Kläranlagen

Damit unser Wasser nach dem Gebrauch wieder sauber in das nächste Gewässer geleitet werden kann, betreiben Kommunen und Wasserwirtschaftsverbände Kläranlagen. Im Einzugsgebiet der mittleren und unteren Lippe (östlich von Lippborg) ist der Lippeverband Betreiber der Kläranlagen. Von den insgesamt 54 verbandseigenen Kläranlagen werden allein 31 von der Be-triebsabteilung „Westliche Lippe“ betreut, das sind die Lippeverbands-Kläranlagen in den Kreisen Wesel, Recklinghausen und Coesfeld. Zusammen haben sie eine Reinigungskapazität von 970.000 Einwohnerwerten. Dahinter verbergen sich einmal die tatsächlichen Einwohner in den drei Kreisgebieten, hinzugezählt ist aber auch das in Einwohnerwerte umgerechnete Industrie- und Gewerbeabwasser, das in dieser Region anfällt. Wem das zu abstrakt ist: Die Gesamt-menge an gereinigtem Abwasser im Jahr 2017 betrug 76,03 Milliarden Liter.

Rund um die Uhr

Um dies gestern, heute und morgen sicherzustellen, sind die 31 Kläranlagen rund um die Uhr im Einsatz - nach Schichtende fernüberwacht im Automatikbetrieb. Eventuelle Störungen werden von der „Betriebsüberwachungs-zentrale“ registriert. Falls nötig alarmiert die Zentrale einen Mitarbeiter, der sich in Rufbereitschaft befindet – der fährt auch mitten in der Nacht raus und behebt das Problem.

Deiche

Daneben ist der Hochwasserschutz in der Region ein wichtiges Thema – vor allem in dem von Bergbau geprägten Kreisgebiet Recklinghausen, aber auch in Dinslaken und Voerde. Hier betreibt der Lippeverband Entwässerungspumpwerke und unterhält die Deiche an der Lippe, am Rapphofs Mühlenbach sowie am Sicking- und Dattelner Mühlenbach. Ein großer Teil der Flächen in dieser Region ist durch den Kohleabbau abgesunken – stellenweise um mehr als zehn Meter.

Pumpwerke

Wenn solche „Polder“ tiefer liegen als der Wasserspiegel der Gewässer, haben die Flächen keinen natürlichen Abfluss mehr. Ohne Gegenmaßnahmen würden die Polder durch Regenfälle und ansteigendes Grundwasser nach und nach volllaufen. Um sie sicher zu entwässern, betreibt der Lippeverband in den Kreisen Wesel und Recklinghausen insgesamt 49 Pumpwerke. Diese stehen stets am tiefsten Punkt einer Senkung und fördern über Druckrohrleitungen das Wasser aus dem Polder heraus.

2017 betrug die gesamte geförderte Wassermenge 143,24 Milliarden Liter Wasser. Anders als beim Abwasser ist diese Wassermenge sehr ungleich über das Jahr verteilt. Bei Trockenwetter werden nur  minimale Mengen gepumpt, bei starken Regenfällen dagegen laufen die bis zu sechs Maschinen, die in einem Pumpwerk aufgestellt sind, unter voller Last und fördern dann oft für kurze Zeit gigantische Wassermengen: Marl-Sicking-mühlenbach, das leistungsstärkste Pumpwerk des Lippeverbandes schafft bis zu 22.500 Liter – pro Sekunde!

Natürlich achtet der Lippeverband auch ständig auf den Zustand der Gewässer. Um die Gewässerunterhaltung kümmern sich die Teams der beiden Lippeverbands-Bauhöfe in Dorsten und Haltern. Hier ist nicht nur bei Hochwasser, wenn die Mit-arbeiter in Alarmbereitschaft sind, viel zu tun: Pflege und Rückschnitt der Vegetation gehören ebenso dazu wie die Instandhaltung der Betriebsanlagen. Dazu zählen zum Beispiel Rückhaltebecken, Rechen, Pegel, Wege und Messstationen.

Hintergrund Lippeverband

Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das effizient Aufgaben für das Gemeinwohl mit modernen Managementmethoden nachhaltig erbringt und als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Das Verbandsgebiet umfasst das Einzugsgebiet der mittleren und unteren Lippe.

Der Lippeverband wurde 1926 gegründet. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und - entwicklung. Dazu gehört auch die ökologische Verbesserung technisch ausgebauter Nebenläufe. Darüber hinaus kümmert sich der Lippeverband in enger Abstimmung mit dem Land NRW um die Renaturierung der Lippe. Dem Lippeverband gehören zur Zeit 157 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen die Verbandsaufgaben finanzieren.

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Text: Lippeverband

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