Anke Völkel

von Martina Jansen (Kommentare: 0)

Anke Völkel

Eine mörderische Schwester

Anke Völkels Vita ist zwar sehr interessant, ob Studium der Sozialpädagogik, die Schulung der Lesepaten für die Stiftung Lesen in der Familienbildungsstätte RE hin zur Erwachsenenbildung, mit der Ausbildung von Tagespflegeeltern und die Aufnahme eigener Pflegekinder, um nur einige Stationen auf dem Weg zu nennen. Sie alle aufzuzeigen, würde hier aber den Rahmen sprengen. Was sich jedoch konsequent durch ihr Leben zieht, ist ihre Liebe zum Schreiben.

Schon im Jugendalter saß Anke nach der Schule an ihrer alten Schreibmaschine und brachte ihre Mädchenträume von edlen Prinzen zu Papier. „Meine Lehrer lobten meine Fantasie und Kreativität, aber ich hörte später dennoch vorerst auf zu schreiben. Das Leben meinte es anders mit mir, ich heiratete und wurde Mutter.“
Jahre später entdeckte sie wieder die Lust am Schreiben und veröffentlichte 1995 in der Anthologie einer Schreibwerkstatt der VHS ihren ersten Kurzkrimi. „Ich bevorzuge die wirklich bösen Kurzkrimis, die Thriller, bei denen dem Leser für einen Moment das Herz stehen bleibt, so wie beim ‚Bei Anruf Mord‘ oder auch wie bei allen meinen weiteren Kurzkrimis“, verrät Anke mir.

Foto oben rechts: Anke Völkel, eine mörderische Schwester

In den folgenden Jahren fanden sich ihre Krimis nicht nur in Anthologien wieder, die Barkenbergerin schrieb auch einige Kindergeschichten, die veröffentlicht wurden. „Ich wollte die Fantasie der Kinder fördern. Die Geschichten sollten ohne erhobenen Zeigefinger spannend und lustig sein“, erzählt mir die Autorin und fährt fort: „Ich habe diese Geschichten nicht nur meinen eigenen Kindern, Nichten und Neffen vorgelesen, sondern auch den traumatisierten Kindern, die ich im Rahmen meiner Arbeit beim Kinderschutzbund kennengelernt hatte.“
Bis vor einigen Jahren war Anke damit zufrieden, dass sie aus ihrem Bauch heraus geschrieben hatte. „Es schreibt mich“, nennt sie es. „Ich wollte lernen, wie ich einen Text richtig schreibe.“ Sie reichte ein Manuskript bei einem Workshop in Rendsburg ein und bekam die Chance, an dem begehrten Schreibkurs teilzunehmen. „Dabei sah ich natürlich auch die Möglichkeit später bei einem Verlag unterzukommen, denn dieser Wunsch steht immer noch ziemlich weit oben auf meiner ‚Löffelliste‘“.

Foto oben rechts: Platz zum Schreiben ist selbst im Wohnwagen

Mitgenommen hat Anke aus diesem Kurs, dass sie einen Plot schreiben und ihn konsequent nacheinander abarbeiten muss. Beherzigt hat sie diesen Tipp natürlich bei ihrem letzten Kurzkrimi. Um ihre Chancen bei einem Verlag unter Vertrag genommen zu werden zu erhöhen, gab sie ihr Skript einer professionellen Lektorin. Damit musste sich Anke aber auch damit abfinden, dass sie gnadenlos nicht nur Tipp- und Grammatikfehler strich, sondern auch all‘ das, was aus ihrer Sicht unnötig oder unpassend war. „Dennoch finde ich in dem Text immer noch meinen Schreibstil wieder, was mir natürlich sehr wichtig ist. Aber der Krimi ist jetzt so formuliert, wie er geschrieben wird oder anders ausgedrückt so, wie ein Verlag es sich wünscht.“

Foto oben rechts: Jetzt schlägt's 14 ist das gemeinsame Werk 14 Autorinnen

Die Protagonistin in dieser Kurzkrimi-Anthologie findet sich auch in Anke Völkels weiterem Krimi wieder. Dort schreibt sie viel über Kindesmissbrauch und sexualisierter Gewalt im Kindesalter. „Durch meine Tätigkeit beim Kinderschutzbund habe ich leider viel über dieses Thema mitbekommen, aber auch meine vielen Pflegekinder haben viel schlimmes Leid in Ihrer Kindheit erleben müssen, zum Glück jedoch keinen sexuellen Missbrauch. Um das zu verarbeiten, schreibe ich diese extremen Thriller“, teilt mir die Sozialpädagogin mit. So handelt ihr neuester Krimi von verschwundenen Kindern, die im Darknet angeboten werden. Dazu ist viel Recherchearbeit nötig, dennoch versucht die 65-Jährige jeden Tag weiter an ihrem Buch zu schreiben.
Anke ist Mitglied der „Mörderischen Schwestern“, ein Zusammenschluss deutschsprachiger Krimiautorinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Schwestern entwickelten sich aus den „sisters of crime“ und sind mittlerweile über 700 Mitglieder stark.
Die Förderung der von Frauen verfassten, deutschsprachigen Kriminalliteratur ist das große Thema dieser Vereinigung. So trafen 2017 auf einem Seminar wieder Bestsellerautoren und noch nicht so namhafte Schriftstellerinnen aufeinander und beschlossen, das gemeinsame Werk „Jetzt schlägt‘s 14!“ unter dem Pseudonym M. S. Walther zu Papier zu bringen. In diesem sogenannten Cosy Crime geht es harmloser zu, als in einem Thriller. Er ist nicht so blutig und das Lesen verursacht auch keinen Herzstillstand. Jede der 14 mitwirkenden „mörderischen Schwestern“ schrieb dabei ein Kapitel aus der Sicht eines jeweiligen anderen Charakters und erzählt aus ihrer Perspektive, in welcher Beziehung diese Person zum Mordopfer steht. „Ich habe mir eine Szene aus dem Plot ausgesucht, bekam ein paar Stichpunkte und der Rest blieb meiner Fantasie überlassen“, schmunzelt die vielseitige Autorin. „Ich freue mich jedenfalls sehr, an diesem Krimi mitgewirkt zu haben“.

Foto oben rechts: In der Natur findet Anke Völkel Ruhe und Entspannung

Text: Martina Jansen
Fotos: Jürgen Moers und privat

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