Gartenabfälle gehören nicht in den Wald

Abgeschnittene Sträucher, unansehlich gewordene Blumen sowie Rasenschnitt gefährden Wälder und Wiesen.

„Gartenabfälle schaden dem Wald nicht.“ „Wieso darf ich mein Grünzeug nicht hierher bringen? Ist doch Dünger für den Boden.“ „Der Grasschnitt verrottet doch.“ 

Diese oder ähnliche Erklärungen hört man oftmals, wenn Gartenbesitzer, die ihre Gartenabfälle in der freien Landschaft entsorgen, auf ihr Tun angesprochen werden. Fakt ist: Abgeschnittene Sträucher, unansehlich gewordene Blumen sowie Rasenschnitt gefährden unsere Wälder und Wiesen. Oft ist die Absicht der „Schubkarren-Umweltsünder“ gar nicht mal bösartig – illegal bleibt es dennoch und es drohen sogar nicht unerhebliche Bußgelder. Jetzt im Frühjahr, wenn die ersten Pflegearbeiten im Garten wieder anstehen, häufen sich die wilden Berge mit Grünschnitt. Einmal – im wahrsten Sinne des Wortes – querbeet wird alles, was im Garten übrig ist in den angrenzenden Wald oder auf das Feld gekippt. Und wo erst einmal der erste Grünschnitt liegt, kommen erfahrungsgemäß in kürzester Zeit weitere Gartenabfälle dazu. Und zum Schluss lassen auch oft Bauschutt, Batterien, Autoreifen oder Plastiksäcke nicht lange auf sich warten.

„Der Wald ist ein intaktes ökologisches System, das sich selbst im Gleichgewicht hält. Werden ‚waldfremde‘ Pflanzen eingebracht, stört dieser „Gartenabfall“ durch Krankheiten oder Zersetzungsprozesse erheblich diese Einheit“, beschreibt Ursula Eickmeier, die Abfallberaterin des Entsorgungsbetriebes der Stadt Dorsten, die Auswirkungen der illegalen Grünschnittdeponien auf die bestehende Flora. „Das angebotene Nährstoffangebot durch die verrottenden Pflanzenteile ist zu hoch für die ursprünglich dort wachsenden Pflanzen. So gehen dort wachsende Arten aufgrund der Überdüngung zurück oder sind an diesen Stellen gar nicht mehr anzutreffen“, so die Abfallberaterin weiter. Anstelle der heimischen Gewächse siedeln sich dort schließlich Pflanzen an, die viele Nährstoffe zum Überleben benötigen. Zwiebeln, Wurzeln ausgestochener Stauden oder vorhandene Samenreste an verblühten Blumen -  auch oder gerade von exotischen Pflanzen -  treiben im Waldboden wieder neu aus und verdrängen zusätzlich die (heimische) Waldflora. Ein typisches Beispiel für die unsachgemäße Entsorgung in der Natur ist die Herkulesstaude, auch Riesen-Bärenklau genannt. Diese Giftpflanze breitet sich immer mehr aus. Viele Tiere gehen zudem eine Symbiose mit Pflanzen ein und können sich nicht so schnell auf andere Futter- oder Eiablagegewächse umstellen oder finden keinen geeigneten Schutz mehr. Die Population in der Nähe dieser wilden Komposthaufen geht zurück, was wiederum Folgen für andere Tierarten hinter sich zieht.

Den Kleinlebewesen, die überleben, droht der Tod durch Grasschnitt. Er entwickelt bei der Zersetzung Wärme – zu erkennen am Dampf und am Geruch. Die sich bildende faulige Flüssigkeit lässt die Bodenlebewesen ersticken. Letztendlich schaden wir uns auch selber. Sei es durch das Nitrat, das ins Grundwasser gelangt – oder dass wir als Steuerzahler finanziell mit daran beteiligt sind, wenn diese Vermüllung der Natur beseitigt wird. „Es gibt eindeutig Alternativen, wie das Häckseln, den Komposthaufen, durch den zusätzlicher Kunstdünger vermieden werden kann, die braune Tonne oder der städtische Baustoffhof mit seinen Partnerunternehmen, die Grünabfälle kostenlos annehmen“, weist Ursula Eickmeier auf diese Möglichkeiten hin. Strauchschnitt im eigenen Garten bietet zudem auch Tieren einen Unterschlupf oder wird – gekonnt in Szene gesetzt – auch schon mal zum besonderen Eye-Catcher.  Sie haben noch Fragen? Ursula Eickmeier hilft Ihnen gerne telefonisch unter 0 23 62/66 56 05 oder per Mail an Ursula.Eickmeier@dorsten.de weiter. Selbst wenn der Wald direkt gegenüber liegt: Sollte uns allen unsere intakte Natur nicht einen etwas weiteren Weg oder eine Alternative wert sein?

Text: Martina Jansen Fotos: fotolia.de

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